Sprossen – How to

Sprossen – wer denkt da nicht als erstes an die Soja-Sprossen im China-Essen?
Dabei sind das gar keine echten Soja-, sondern Mung-Bohnensprossen, und die müssen wie alle Hülsenfrüchte wegen des Enzyms Phasin auch vor dem Verzehr kurz erhitzt werden, sonst gibt es Bauchschmerzen.

Sprossen ziehen kann man praktisch aus jeder Samenart mehr oder weniger gut.
Ich praktiziere das mit jahrelangen Unterbrechungen jetzt schon seit Anfang der 80er, und es gibt kaum ein Nahrungsmittel, was an Geschmack, Frische und Inhaltsstoffen mit Sprossen mithalten könnte.

Ich kaufe übrigens nicht die sehr teuren Portionstüten im Drogeriemarkt, sondern die meisten Sorten in preislich freundlicheren 100g Tüten bei Blauetikett-Bornträger in ebenfalls Bio-Qualität.
Zum Selberziehen braucht man nur ein großes Glas, ein Stück Plastikfliegengitter und ein strammes Gummiband.

1 EL Samen (bitte für jede Sorte ein eigenes Glas nehmen, wegen unterschiedlicher Keimzeiten) verlesen, d.h., halbe und angebrochene aussortieren, wenigstens bei den großen Samen ab Getreidegröße, und das Glas dann mindestens halbvoll mit lauwarmem Wasser füllen und über Nacht stehen lassen.

Am nächsten Morgen das Wasser abgießen, zweckmäßigerweise bei kleinen Samen durch das Fliegengitter, bei großen auch durch ein normales Sieb, unter fließend kaltem Wasser durchspülen, abtropfen lassen, und zurück ins Glas geben und mit dem Gitter randdicht verschließen zum Schutz vor Obstfliegen.

Diesen Spülvorgang morgens und abends wiederholen, bis der Keim die gewünschte Länge erreicht hat.
Danach kann man die Sprossen noch etwa eine Woche im Kühli aufbewahren, sollte sie aber weiter spülen – sie hören nicht auf zu wachsen, sondern tun es nur noch sehr langsam.

Zum Spriessen sind besonders geeignet sind Alfalfa (Luzerne, schmeckt wie Salat), Senf (mild-frisch), Rettich (scharf), Linsen aller Art (knackig), Erbsen (ganz leicht süß und knackig), Kichererbsen (in Butter gebraten wie Nüsse), Weizen (süß), Mungo (knackig), Brokkoli (wie Brokkoli), Bockshornklee (Curry), Radieschen (scharf) .

Bei Kichererbsen, Bockshornklee, und Weizen sollte der Keim nur so lang sein, wie das Korn, dann müssen sie in den Kühli, sonst schmecken sie nicht mehr. Bei den anderen darf der Keim ruhig etwas länger werden, bei Alfalfa sogar Grünes kommen. Mungobohnensprossen sollten blaß bleiben, dürfen aber bis zu 5cm werden.

Nackthafer, Nacktgerste, Hirse, und Sonnenblumenkerne sind bei mir noch nie was geworden – keine Ahnung, warum nicht.
Kamut keimt zwar schnell, ist aber wegen der harten Hülle und des sehr zähen Keims schlecht zu essen.
Leinsamen schleimen sehr und schmecken zumindest mir nicht besonders – ich finde es zu aufwendig.
Ungeschälter Sesam keimt im Dunkeln gut, solte auch nur einen korngroßen Keim haben, schmeckt m.M. nach gar nichts.
Buchweizen schleimt ebenfalls, den kann man besser so roh und ungekeimt wegknuspern.

Verwendung:
Ich esse Sprossen z.B. auf Butterbrot – Radieschen-, Senf-, Luzerne-, Rettichsprossen kommen da gut.
Ich mache ganze Salate daraus mit Alfalfa als Hauptzutat – mit verschiedenen Dressings ist das nie langweilig.
Ich packe gern Sprossen in meinen Brotteig (max. eine Handvoll auf 500g Mehl).
Ich mache ganze Gemüsepfannen daraus – die Würzung und evt. noch andere Zutaten bestimmen die Geschmacksrichtung.
Ich mixe sie in meinen Powerdrink, wenn mir das Obst ausgegangen ist.

Man sieht, Sprossen sind sehr vielseitig, und ich habe auch keine festen Rezepte dafür, sondern improvisiere jedesmal.
Dazu ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis sehr gut; gerade im Winter, wenn man mal kein Lagergemüse mehr sehen mag, und alles andere viel zu teuer ist, sind Sprossen eine wunderbare Alternative.
100g Alfalfa kosten 1,60€ = 5 Portionen, die nach 5-6 Tagen bis zu 300g pro Portion an gesundem vitaminreichem Salat geworden sind, macht 1500g insgesamt.
Fertig gekeimt und abgepackt im Laden kosten davon dann 100g 1,49€….

Wer Näheres über Inhaltsstoffe wissen, und auch konkrete Rezepte möchte, sei auf die Bücher von Rosemarie Nöcker verwiesen – meist bekommt man sie per Fernleihe aus der Bücherei.
Frau Nöcker beschreibt das alles sehr viel schöner, und viel ausführlicher, als ich es könnte – es lohnt sich, diese Bücher zu lesen. 😉

Ich möchte nur noch ergänzen, daß während des Keimvorgangs aus dem Korn eine wahre Enzymfabrik wird, die die vorhandenen Nährstoffe in Vitamine, Enzyme, und z.T. auch in Eiweiße umsetzt. Der Stärkegehalt der Körner wird dadurch stark reduziert und in kürzere, leicht süß schmeckende Kohlenhydrate umgesetzt. Man bekommt also nicht nur die vielen Mineralien des vollen Korns, sondern viel mehr.So frisch und gesund kann kein gekauftes Gemüse sein.

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1 Response so far »

  1. 1

    cq21 said,

    Hallo,

    habe bei Blauetikett Bornträger (liegt bei uns um die Ecke) schon verschiedene Kräuter und Wildpflanzen gekauft und jetzt auch dort Saatgut für Sprossen bestellt.
    Als nächstes werde ich mir die Bücher von Fr. Nöcker ansehen.
    lg
    cq21


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