Warum auch noch bio?

Weil es, wenigstens für *mich*, die logische Konsequenz aus der Vollwerternährung als Prinzip ist.
Spätestens seit den Entdeckungen von Fritz-Albert Popp können wir den Unterschied zwischen konventionellen und Bio-Lebensmitteln auch quantifizieren.
Meine Hunde können das übrigens schon länger: Bio-Apfel oder Bio-Möhre wird einer konventionellen in jedem Fall vorgezogen, auch wenn ich nicht weiß, was was ist, sondern ein in dem Moment nicht sichtbarer Dritter ausgewählt hat.
Wir haben dieses Experiment mehrfach gemacht, immer mit dem gleichen Ergebnis.
Für mich war das dann doch schon sehr überzeugend. 😉

Wenn Vollwert bedeutet, daß ich das ganze Produkt mit all seinen natürlichen Inhaltsstoffen haben will, bedeutet das ebenso, daß ich möglichst auch keinerlei Schadstoffe aus Spritzungen oder Beizungen da drin haben möchte.
Und das geht eben nur, wenn ich bio kaufe oder selbst anbaue.

Außerdem geht das weit über meinen Egoismus, ein schadstofffreies Produkt zu wollen, hinaus.
Denn wie soll ein solches Produkt auf belastetem Boden wachsen?
In meinem Hausgarten habe ich die Kontrolle darüber, was hier passiert oder nicht – obwohl ich gegen Eintrag über die Luft wie damals nach Tschernobyl auch nichts tun kann.

Aber immerhin kann ich bei Erzeugern kaufen, die ebenfalls aus Überzeugung bio produzieren – und ich habe bislang noch keinen Demeter- oder Bioland-Bauern getroffen, der es nur wegen der höheren Erzeugerpreise täte.
Dafür ist die Umstellung zu langwierig, und der spätere Absatz in manchen Gegenden durchaus ungewiß.

Wer es trotzdem und aus Überzeugung tut, hat m.M. nach jede Unterstützung verdient. Egal, ob man mit der Weltanschauung der Demeter-Leute klarkommt oder nicht (ich kann mit Steiner-Philosophie nichts anfangen), ich respektiere und honoriere ihre Bemühungen durch meine Käufe.
Bioland ist weltanschaulich neutraler, überwachungsmäßig aber nach meinem Kenntnisstand genauso streng – beruhigendes Gefühl.
Alles, was schlappere Bestimmungen hat, beäuge ich mit einem gewissen Mißtrauen – wobei EU-Bio teilweise wirklich ein Witz ist, wie es im Ausland abgenommen wird. Die italienischen Bio-Imker mit Qualitätsanspruch haben sich deutsche(!) Kontrollstellen ausgesucht, statt der landeseigenen – warum wohl…..

Ich höre oft: „aber Bio ist soooo teuer, das kann doch keiner für eine ganze Familie ausgeben“.
Wenn man weitermachen will wie bisher, mit täglich Fleisch, vielen Fertigprodukten, Süßigkeiten, Softdrinks, etc., dann geht das natürlich nicht.
Nur bedeutet Vollwertkost eben grade nicht, weiterzumachen wie bisher, sondern eine ziemlich drastische Änderung.
Bio allein ist noch sehr weit von Vollwert entfernt.

Es gibt von jeder Firma irgendein Produkt auch in bio, quasi als Feigenblatt für die restliche Produktion – das ist dadurch aber noch lange nicht vollwertig.
Von Ritter-Sport gibt es z.B. winzigkleine (66g) Täfelchen Bio-Schoki in verschiedenen Sorten – auch mit Bio-Zucker ist die nicht vollwertig.
Frosta stellt seit etwa 10 Jahren seine TK-Fertiggerichte ohne Zusatzstoffe her – aber Jodsalz und gehärtete Fette sind drin, oft auch Zucker, und die Rohstoffe sind nicht mal bio.
Und so weiter.
Zu dem Themenkreis „Kosten der Vollwerternährung in bio“ wird es demnächst noch mindestens einen extra Artikel geben.

Bundesweit sind es nur 3% der Bäcker, die selbst ihr Getreide für ihr Mehl mahlen – meist Bio-Bäcker mit Durchblick und Konsequenz, der große Rest der Innung benutzt die so schön komfortablen bundesweit einheitlichen Backmischungen, wo nur noch Wasser zugefügt werden muß.
Schon allein das ist ein Grund, warum ein „Vollkornbrot“ vom Bäcker um die Ecke hinterfragt werden sollte: ist es echtes Vollkorn, also mit dem Keim vermahlen, oder lange haltbare Backmischung ohne den Keim? Auch das darf Vollkorn genannt werden – EU-Recht….

Zurück zum Erzeuger: man lese ein paar Wochen das regionale Bauernblatt, und dort besonders die Anzeigen der Konzerne für die Pflanzenschutzmittel – man kommt unweigerlich auf die Idee, daß der deutsche Bauer ohne diese ganzen Mittel rettungslos verloren ist, und die ja alle SOOOO selektiv nur auf das jeweilige „Schadkraut“ oder das „Schadinsekt jenseits der Befallsgrenze“ wirken.
Und mir konnte bislang noch keiner der mir bekannten Normalbauern (ohne Studium) freihändig was über die Wirkstoffklassen erzählen, und wie z.B. Imidacloprid denn genau wirkt.
Bemerkung am Rande: Imidacloprid ist Hauptwirkstoff in Frontline für Hunde und Katzen gegen Flöhe und Zecken – und das Beizmittel des Bienensterbens am Oberrhein in 2008 war Clothianidin , mit einer Halbwertszeit im Boden von mehr als 520 Tagen, und es fand sich auch in den Pollen des Mais‘, und ebenso in durch Guttation von den Pflanzen ausgeschwitztem Wasser, was die Bienen ebenfalls aufnahmen.

Man kann ganz brutal und dabei völlig objektiv sagen, daß jeder, der konventionell kauft statt bio, zur weiteren Vergiftung unserer Böden beiträgt.
Und es ist doch nicht so, daß das Endprodukt dann völlig frei von Rückständen wäre – warum werden denn die Grenzwerte öfters hochgesetzt?

Und es ist keine Lösung, so zu tun, als ginge es einen nichts an – spätestens die Enkel werden fragen „warum habt ihr nichts dagegen getan, bevor es zu spät war?“.

Kommentare und Tomatenwürfe wie immer ausdrücklich erwünscht! 😉

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