Was mich gerade aufregt – 2

Nicht, daß ich mich aufregen WILL, aber manchmal verstehe ich einfach nicht, wie andere Leute ticken. Heute stand ich auch wieder mit offenem Mund da und war einfach sprachlos.

Es war mal wieder eine „Bio oder Discounter“ Diskussion.

Wie können sich normal intelligente Leute, mit Studium, nicht mehr ganz jung, und schon eniges von der Welt gesehen, allen Ernstes hinstellen und sagen, „mir ist bio und die Zusammenhänge drumrum völlig egal, Hauptsache, mein Essen ist billig, das ist das einzige, woran ich sparen kann“?

Das mag ja seine Meinung sein, und es sei ihm auch unbenommen, aber… …gleichzeitig das heißgeliebte Auto pimpen und bei 40€ für den Liter Motoröl nicht mit der Wimper zucken, UND selbst ein Burn-out-Syndrom haben, was natürlich ü-ber-haupt nichts mit der Ernährung zu tun hat, paßt in meinen Augen nicht zusammen (dieser Mensch ist 45 und hat eine sehr leitende Position, betont aber immer, wie umweltschonend er doch lebt…er hat Energiesparlampen eingeschraubt)

Man bekommt, was man bezahlt. Und vollwertig essen hat ganz definitiv Auswirkungen aufs Nervensystem und die allgemeine Fitness.

Und das ist kein Hörensagen, sondern meine eigene Erfahrung, ebenso wie die von vielen anderen.

Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk an Regelkreisläufen, von denen auch im Jahr 2009 noch längst nicht alle komplett von der Wissenschaft verstanden werden.

Dieser Körper braucht für sein Funktionieren aber die volle Bandbreite an Nährstoffen, und nicht nur die Grundlelemente wie Eiweiß, Fett, und Kohlenhydrate, sondern auch alle Spurenelemente, sekundäre Pflanzenwirkstoffe und Enzyme.

Und dann will mir jemand erzählen, die holländische Tomate in der NPK-Nährlösung auf Steinwolle gezogen aus dem Discounter sei inhaltlich genauso gut wie meine Bio-Tomate, die auf einem Boden mit 12% Humusanteil, gesundem Bodenleben, und Kompost steht?

Aber das billige Motoröl sei nicht gut fürs Auto?

Da kann man sich doch nur noch an den Kopf fassen…

Der nächste Punkt sind die Zusatzstoffe in Fertigprodukten – bis heute ist nicht wirklich klar, wie sich die einzelnen Stoffe auf den Körper auf Dauer auswirken, geschweige denn, ob und welche Wechselwirkungen es bei diesen Stoffen untereinander gibt.

Was bewirkt z.B. die fast allgegenwärtige Zitronensäure oder Ascorbinsäure (VitC) in solchen Mengen in so einer puren Form?

Keiner weiß es so genau.

Mein Körper sollte in möglichst gut funktionierendem Zustand möglichst lange halten – dafür sollte ich dann sogar noch mehr tun, als für mein (nichtvorhandenes) Auto, oder? 😉

Der nächste große Aspekt ist die Ethik.

Wer einmal in einem konventionellen Hühnerstall war, wird kaum je wieder normale Eier oder Hähnchenfleisch essen mögen.

Wer „We feed the world“ gesehen hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit seine sämtlichen Konsumgewohnheiten auf den Prüfstand stellen.

Wer anfängt zu fragen, wo seine gekauften Produkte unter welchen Umständen hergestellt werden, und welche Auswirkungen diese Umstände auf die Welt haben, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zum sehr kritischen Konsumenten werden, und eine große Kreativität im Recyceln und Selbermachen entwickeln.

(ein Freund mußte seine Einfahrt neu machen, in Kinderarbeit hergestellter indisches Granitpflaster kam nicht in Frage – die Familie hat eine Zeitlang jeden größeren runden Stein mitgenommen, der ihnen begegnete – jetzt haben sie die schönste Einfahrt der ganzen Gegend – selbstgemacht)

Wir haben das Geld.

Wir bestimmen durch unsere Käufe, wer es bekommt.

Wir haben dadurch Kontrolle und Macht, zwar nur in kleinen Stücken, aber immerhin.

Wir sind in unserem Verhalten nicht wirklich einzigartig – alles, was ich tue, tun mindestens eine Million anderer Menschen auch.

Wir können was ändern.

Laßt es uns tun: kauft saisonal – regional – bio.;-)

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7 Antworten so far »

  1. 1

    fargurd said,

    Du sprichst mir förmlich aus der Seele. Viele Menschen hauen mir an den Kopf, Bio sei nur Abzocke, kaufen dann hier und da ihre billigen Sachen ein, aber wenn es dann wie bei dir ans Autofahren geht: „Das ist mein Hobby, das ist mein Luxus…“ – wieso ist der Körper nicht genauso mein Luxus? Den brauche ich mein Leben lang (wie bezeichnend 😉 )

    Also, mach weiter so, sehr interessant!

    PS: We feed the World ist ein Film, der es bis in die Schulen schaffen sollte, nur leider wird dann die Industrie schnell den Lehrplan ändern wollen…

  2. 2

    Lysaya said,

    Huhu,

    das hier ist zwar schon was älter, aber ich hoffe, ich darf dennoch dazu senfen?

    Ich weiß nicht, ob ich mit obigem auch gemeint bin. An der teils heftigen Diskussion im Casa hatte ich mich ja auch beteiligt 😉

    Mir ist bio – wie schon mehrfach gesagt – nicht „egal“. Aber für mich steht das wirklich noch in keinem Verhältnis. Es gibt schon kaum noch Ansätze zum Sparen. Das Auto musste sein, damit mein Mann zur Arbeit kommt – sonst gibts nicht nur „nichtbio“ sondern gar nix zu essen… Das Auto ist von Schwiema geschenkt und der bevorstehende Urlaub – den brauch ich nach einer schweren OP – von meinen Eltern.
    Kleidung wird nur gekauft, wenn was kaputt ist, ebenso werden keine Luxusartikel etc. geholt.

    Fertigessen gibts hier nicht, eben weil man nicht weiß, was drin ist. Bio gibts vom biobauern mit saisonalem und regionalem Obst und Gemüse.
    Aber was dort trotz allem über alle Maßen teuer ist, kaufe ich nicht.
    Fleisch, Eier und das meiste Gemüse sind aus biologischem Anbau. Aber genauso kauf ich „konventionelle“ Nudeln und „billigen“ Reis.
    Und ich denk nach wie vor: der schlechteste konventionelle Apfel ist besser als gar kein Apfel.

    LG

    • 3

      vollwertigerin said,

      Lysaya, nein, ich habe niemandem aus dem casa gemeint, das war eine Diskussion samstagsmittags auf dem Markt mit einem Bekannten, der mich mehr oder weniger für dämlich erklärte, weil ich gerade beim Biobauern gekauft hatte – das wär doch eh alles Beschiß, und da geht mir der Hut hoch.

      Fakt ist: was nicht geht, geht nicht.
      Im Winter krieg ich auch monatelang keine BioRohmilch (hab noch keine Quelle hier gefunden), also weiche ich zwangsweise auf konvi Vorzugsmilch aus oder verzichte ganz.
      Jeder muß seinen eigenen Weg finden, aber – ich bin der Meinung, daß vollwertig eigentlich noch wichtiger ist als bio allein.
      Zucker und Weißmehl sind für soviel verantwortlich, da graust es einem nur.
      Von daher ist tatsächlich jeder konvi-Apfel besser als „Fruchtsaftgetränk mit naturidentischem Apfelaroma“ oder „Joghurt mit Bratapfelgeschmack“.
      Aber warte mal den Juli mit den Zahlen ab….;-)
      LG

      • 4

        cq21 said,

        Hallo Vollwert-Tigerin,
        bin übers Casa in Deinen Blog gestolpert 🙂
        Kaufe seit einiger Zeit auch fast alles beim Bio-Bauern und gebe Dir vollkommen Recht.
        Teuer ist es nur am Anfang und wenn man das „frühere Kaufverhalten“ beibehält. Wenn man bewusst 2 mal die Woche einkauft und weiss was man zubereiten will, ist es durchaus im Rahmen. Anfangs kaufte ich zuviel und auf „Vorrat“, was bei einigen Sachen nicht möglich ist. Mich hat es auch einige Versuche gekostet ( z. B. Brot backen), bis ein wohlschmeckendes Ergebnisse.
        Ernähre mich (mein Mann will selbst nicht) vegetarisch bis vegan (Tochter macht das schon seit Jahren) und lese mich z. Zt. durch diverse Kochbücher. Was hälts Du von der Theorie, dass tierische Milch und Fette für Menschen ungesund sind ?
        lg
        cq21

  3. 5

    Lysaya said,

    Da muss ich leider widersprechen – zumindest nach der bisherigen Erfahrung.
    Bio IST teurer. Und zwar nicht nur zu Anfang, sondern generell.
    Und das ist auch gut so. Ich sehe es durchaus ein, dass Eier von einem ideal gehaltenen Huhn mehr kosten, als z.B. von diesen armen Tieren in den Legebatterien.
    Wie gesagt, da bin ich auch mehr als bereit, das Geld für das Produkt auszugeben. Ebenso beim Fleisch.

    Ich kaufe ganz sicher nicht auf Vorrat und habe meine wöchentliche Lieferung vom Biohof. Aber ich habe eben auch konventionelle Sachen dabei.
    Bionudeln z.B. kosten 2,39 Euro… beim Lidl, Aldi und Co nur 0,39 Euro. Oder die Bio-Gurke vom Hof kostet 1,99 Euro im Discounter nur 0,19 Euro. Der Preisunterschied IST deutlich. Die Frage nach der Qualität steht da auf einem anderen Blatt. Aber wenn man zuerst einmal von den Kosten ausgeht, dann können sich einige halt „nur Bio“ nicht leisten.

    Ich finde, das hat nicht mal mit „bewußt“ oder „unbewußt“ einkaufen zu tun. Wenn man wenig Geld hat, dann achtet man da halt drauf. Und es ist eben nicht immer möglich noch mehr Abstriche zu machen. Dann müssten die Löhne erhöht werden, die sozialen Leistungen erweitert, etc.
    Und selbst dann gibt es immer noch welche, die sagen: mir schmeckt Bio nicht.

    Wie gesagt, ich finde bio gut und lebe danach, so gut es geht (und unser Geldbeutel es zulässt), aber ich kann auch verstehn, wenn jemand diese Preise nicht bereit ist zu zahlen.
    Ausserdem muss die Ernährung auch „familientauglich“ sein. Wenn ich die Kinder noch mit Begeisterung zum Kartoffeln ausbuddeln anhalten kann oder sie mir versichern, dass der Bio-Apfel viel leckerer ist, dann ist das was anderes, als wenn ich ihnen zum Frühstück pürierte Körner andrehn will. 😉

  4. 6

    vollwertigerin said,

    Ich glaube, hier geht noch einiges durcheinander.
    Es geht doch überhaupt nicht darum, eine „normale“ Ernährung 1:1 einfach auf Bio umzustellen, und „alles ist gut, bloß teurer“, sondern darum, bewußter/gesünder zu leben, was für mich auch Nachhaltigkeit, sich bescheiden, und Verantwortung übernehmen einschließt.
    Bio ist NICHT automatisch auch vollwertig, siehe BioWeißmehl, BioSchoki, etc.
    Vollwertig zu leben bedeutet, zumindest für mich, eine ganz andere und bessere Lebensqualität.
    Und die kriege ich mit den 39ct-Nudeln vom aldi ganz sicher nicht, zumal es ja nicht nur um *meine* Lebensqualität allein geht, sondern um das ganze große Gesamtbild.
    Und wie man es seinen Kindern verkauft, liegt ja nun an einem selbst; „leckeres Power-Müsli“ klingt ja wohl anders als „pürierte Körner“ 😉

    • 7

      cq21 said,

      Genau das meinte ich. Ich habe meine Ernährung nicht 1 :1 umgestellt, sondern radikal „gekürzt“. Damit meine ich z.B. Tiefkühlkost, Schokolade, und sonstige fertige Mischungen oder Konserven kaufe ich einfach nicht mehr – weder Bio noch konventionell.
      Tierische Fette verwende ich immer seltener, ebenso Eier.
      Neulich hatte ich z. B. eine eingefrorene Melone durch meinen Entsafter gejagt und heraus kam ohne irgendwelche Zutaten das köstlichste Melonensorbet, gegen das kein noch so teueres Industrieeis anstinken konnte. Habe letzte Woche z.B. ein Rezept für Brotaufstrich (ist fertig gekauft seeeehr teuer) auf Dinkelbasis nachgekocht. Kostet fast nichts und schmeckt super.
      Mein Getreide mahle ich selbst, Sojamilch (auch sauteuer) mache ich mit dem Sojamaker, Tomaten, Paprika und Auberginen züchte ich auf dem Balkon und Kräuter und ein Feigenbaum wachsen im Mini-Garten.
      Ich bin wie gesagt noch ganz am Anfang mit der Umstellung und probiere von Miso-Suppe über Rohkost und sonstige Richtungen munter vor mich hin.
      Am Anfang teuer sind natürlich die Getreidemühle, der Entsafter usw.
      Die hatten wir jedoch schon einige Jahre, ohne sie ständig zu benutzen.

      Wie Vollwerttigerin schon anfangs erklärte, zählt auch die Ethik in dieser ganzen Nahrungskette, angefangen von Wald abholzen, Gift in Boden und Grundwasser, Entsorgungsmüll bis hin zu den Zivilisationskrankheiten und deren Behandlung…….. etc., etc., etc….


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