Kosten der Bio-Vollwerternährung (1)

Nachdem ich immer wieder zu hören bekomme, daß eine Vollwerternährung in bio viel zu teuer sei für normalverdienende Menschen, habe ich beschlossen, den ganzen Juli centgenau hier öffentlich mein Essen auszurechnen.

Ich werde allerdings NICHT wie Frau Wilkesmann in ihrem Hartz4-Buch bei absolut Null anfangen, sondern gehe von folgenden Voraussetzungen aus:

Getreidemühle ist vorhanden, die billigste elektrische ist die Jupiter und kostet bei top-emma 155€, auf 10 Jahre Lebensdauer macht das im Monat 1,29€ .

Brotbackautomat ist auch da, hat vor 6 Jahren 34,95€ bei aldi gekostet, ist abgeschrieben; ich hab das Strommeßgerät drangehängt: bei 850W Nennleistung verbraucht er im Schnellprogramm ziemlich genau 1,5 kWh, macht 9ct pro Brot.

Handmixer und Pürierstab oder Blender dürften in jedem Haushalt vorhanden sein, ebenso Gemüsereiben und irgendwelche Gläser zum Sprossenziehen.

Ein Backofen ist nett, muß aber nicht sein, wenn ein Brotbackautomat vorhanden ist.

Man kann sogar Brot und Kuchen in einer großen Pfanne mit dicht schließendem Deckel backen 😉

Was ich ebenfalls nicht erst extra neu kaufen werde, sind Dinge wie Salz, Essig, Olivenöl, Gewürze, Hefe, Backpulver, da gehe ich davon aus, daß sowas überall im Vorrat ist.

Und es bringt einen nicht um, wenn man erst die Nicht-Bio-Sachen aufbraucht.

Bei Nachkauf sollte man dann aber schon Bio-Qualität nehmen, und vor allem Meersalz ohne jeden Zusatzstoff.

Mein Getreide/Ölsaaten kaufe ich nicht in 500g Tüten im Bioladen, sondern in 5kg-Tüten ab Mühle , sie liefern für gewöhnlich am nächsten Tag per UPS, schneller geht nicht.

In 25kg-Gebinden sinkt der Preis drastisch, aber dafür fehlt mir der Platz bei den vielen Sorten (allerdings werde ich ab Herbst mit zwei Freudinnen zusammen bestellen, dann teilen wir – Einkaufsgemeinschaften sind klasse).

Mein Obst und Gemüse kaufe ich auf dem hier gut sortierten Wochenmarkt: wir haben 3 Biobauern mit Direktvermarktung, dazu einen Bio-Schafmilch- und einen Bio-Ziegenmilchhof, dazu auch noch eine echte Vollkornbäckerei.

Im Winterhalbjahr, wenn Schafe und Ziegen trocken stehen, weiche ich auf konventionelle Vorzugsmilch aus – in bio ist hier keine Vorzugsmilch zu bekommen, und ich habe auch noch niemanden gefunden, der mir kuhwarme Milch verkaufen würde, leider.

Meine Saaten für die Sprossen kaufe ich HIER , deutlich billiger als die Miniportionen, die normalerweise im Handel sind.

Linsen, Erbsen, Bohnen nehme ich in normaler Bio-Kochqualität, man muß halt nur vorher zerbrochene oder beschädigte Samen aussortieren.

Fleisch gibt es eher selten; meist nur, wennn unser Metzger Bio-Fleisch hat, was im Herbst Weidemastochsen sind, und im Frühjahr/Herbst halbe Schweine – ich koche dann meist fertige Gerichte ein, so richtig altmodisch.

Das sind dann zwar Konserven und damit eigentlich *iehbäh* in der Vollwertkost, aber nachdem meine Gefriertruhe 5 Tage unbemerkt mit einem halben Bio-Schwein darin den Geist aufgab, gibt es für mich kein Einfrieren mehr.

Da ist Einkochen doch sicherer.

Der nächste reine Bio-Metzger sitzt 50km von hier, das ist für den täglichen Bedarf dann auch nicht praktikabel, und dazu noch erheblich teurer als halbe Tiere.

Im Sommer zum Grillen gibt es dann meist Lamm oder Zicklein vom Markt, aber eben auch nur, wenn grad verfügbar.

Ich empfinde das nicht mal als große Einschränkung – früher wurde auch nur zu Winterbeginn geschlachtet, und ich bin nicht der große Fleischesser.

Ich bin mir darüber im klaren, daß z.B. 5 oder mehr Getreidesorten a 5kg erst mal teuer sind in der Anschaffung, ebenso eine Getreidemühle, aber a) lohnt es sich wirklich, von der Frische und dem Geschmack her, und b) bei mehr als einer Person im Haushalt rechnet es sich langfristig sehr.

Mein Mann ist die meiste Zeit wegen seiner Arbeit abwesend, deshalb sind es bei mir immer Mini-Portionen, aber man kann alles problemlos vervielfachen.

Und ich möchte noch hinzufügen, daß meine Wegwerf-Rate an Lebensmitteln NULL beträgt – ich kaufe lieber knapp ein, oder esse auch zweimal dassselbe, aber weggeworfen wird in diesem Haushalt nichts Eßbares mehr.

Hier geht es also ab dem  1.7. richtig los.

Wie immer: Kommentare und Tomatenwürfe dringend erwünscht! 😉

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5 Antworten so far »

  1. 1

    Gaby said,

    Werde ich gespannt mitverfolgen. Sehr interessanter und lehrreicher Blog.

  2. 2

    Lysaya said,

    Huhu,

    ich bin gespannt auf Deine Auflistung der Kosten. Wobei ich denke, dass da auch regionale Gegebenheiten reinspielen werden. Je nach Größe der Stadt und Lage hat vielleicht nicht jeder einen Bio-Schafmilch-Hof in der Nähe…

    Interessant find ich, dass es sich hier im Blog gar nicht mehr so „radikal missionarisch“ (nicht bös gemeint 😉 ) anhört, wie drüben im Casa.

    LG Lysaya

    • 3

      vollwertigerin said,

      ;-),Huhu, Lysaya,
      die Leute, die hierher finden, haben sich meist schon ziemlich mit den Problemen der Ernährung auseinandergesetzt, und glauben ganz bestimmt nicht mehr daran, daß Industrie-Essen gut für sie wäre, wissen aber nicht, WIE sie umstellen sollen.
      Deswegen fange ich bei den Rezepten ja mit Mayo & Ketchup an – alle Kinder lieben Pommes rotweiß, und wenn Mama das so hinkriegt, daß die Kinder den Unterschied nicht merken (der Ketchup ist OHNE Zucker), ist schon viel gewonnen. ,-)
      Im casa möchte ich die Leute dazu bringen, überhaupt erst mal nachzudenken, was sie denn da eigentlich essen, und da muß ich ein bißl provokanter sein (wobei ich nach wie vor der Meinung bin, wer Zutatenlisten liest, MUSS doch nachdenklich werden…) und ich meine das auch nicht böse. LG, /me

      • 4

        Lysaya said,

        Huhu,

        nein, dass Industrieessen besser oder sogar „gut“ ist, das glaub ich wirklich nicht. Gibt es hier auch praktisch nicht mehr – wie ich ja schon sagte.

        Dein Rezept für Ketchup ähnelt meinem… Ich habe dieses Buch „Koch’s nochmal, Mama!“ und da war auch so ein Rezept bei.

        Allerdings ist es halt wirklich so, dass ich immer noch mal auf „nicht bio Gemüse“ zurückgreife und durchaus Zucker verwende – alles andere könnte ich mit meiner Familie gar nicht vereinbaren.
        Brot selber backen find ich klasse und mache das auch gelegentlich. Aber sparen tu ich da nix… Denn dann futtert mein Mann das ganze 2kg Brot an einem Tag weg und da komm ich mit dem Biobrot vom Bäcker halt im Endeffekt günstiger.

        Ich bin halt immer noch der Meinung: Man muss überhaupt erstmal anfangen. Kleine Schritte und immer nach den eigenen Möglichkeiten und Gegebenheiten. Bei Eiern und Fleisch kann ich die konventionelle Haltung z.B. überhaupt nicht vor meinem Gewissen verantworten. Darum kauf ich da immer Bio – und ärger mich dann erst nachher über 10 Eier für 2,90 Euro 😉 Aber dafür kann ich mir dann bei meinem Bauern ein glückliches Huhn ansehen.

        LG (ich hoffe, die Diskussion ist hier so erlaubt?)

  3. 5

    vollwertigerin said,

    Aber ja – dafür ist die Kommentarfunktion doch. 😉

    Was du mit dem Brot und deinem Mann beschreibst, zeigt eigentlich sehr schön, daß Bio eben noch nicht auch gleich Vollwert ist.
    Ich kenne nämlich niemanden, der von meinem Brot mehr als drei Scheiben schaffen würde.
    Frisches-Bio-Vollkorn-Brot hat eine ganz andere innere Qualität als jedes Bio-Weißmehl-Brot vom Bäcker – es macht schneller und irgendwie „zufriedenstellender“ satt. Probier es mal aus – hol dir frisch gemahlenes VK-Mehl aus dem Bioladen und mach dein Brot damit, es sollte ein Unterschied zu merken sein. 😉
    Und ja, das ist dann nicht billiger, ich sag ja, ich kaufe mein Getreide in mind. 5kg-Tüten, das rechnet sich dann anders. LG


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