Plädoyer für eine andere Weltsicht

Ohne Nahrung können wir vielleicht zwei Monate überleben, ohne Wasser nicht einmal zwei Wochen, ohne Luft keine 10 Minuten.
Das sind die essentiellen Grundlagen unseres Lebens.

Und ob es uns gefällt oder nicht, alles was wir tun, hat Auswirkungen darauf, und zwar weltweit.

Es sind nicht nur die kleinen Dinge, wie tropfende Wasserhähne zu reparieren, oder mit dem Fahrrad statt dem Auto zum Brötchenholen zu fahren, sondern viel wichtiger ist es, wofür wir unser Geld ausgeben.

Geld bedeutet Macht, und wem geben wir unser Geld?

Kaufe ich mir eine Getreidemühle, und Getreide frisch vom BioBauern aus der Nachbarschaft, und kann mein Brot und meine Brötchen selbst backen, oder kaufe ich Fabrikbrot im Discounter?

Verwandle ich meinen Garten in einen Naschgarten, oder muß ich nur für die Nachbarn und die Optik lärmend jede Woche Rasen mähen?

Habe ich nur einen Balkon, kann ich in Kübeln und Kästen Gemüse und Kräuter ziehen, statt für Insekten nutzlose Zierpflanzen im Baumarkt zu kaufen.

Sogar auf einer Fensterbank kann man Buschtomaten und Salat wachsen lassen.

Ich gehe langsam auf die 50 zu, was bedeutet, daß ich als Kind noch Straßen fast ohne Autos kannte, aber auch frisch aufgehängte Wäsche draußen, die nach dem Abstich des Hochofens wieder reif zum Waschen war.
Einiges ist besser geworden seitdem, aber sehr vieles schlechter.

Und ich habe die Schnauze gestrichen voll von industrialisierten Lebensmitteln.

Ich will echtes Essen.

Ohne Verarbeitungshilfsstoffe, die nicht mal deklariert werden müssen (bestes Beispiel ist das Konservierungsmittel im Fruchtanteil des Joghurts – es ist nicht in der Lage, den ganzen Joghurt zu konservieren, also muß es nicht aufgeführt werden).

Ohne jeden Geschmacksverstärker – auch Hefeextrakt enthält Glutamat, aber das muß dann nicht deklariert werden.

Ohne Zusatz von künstlichen Vitaminen – die wirken völlig anders als natürliche, manchmal sogar exakt andersrum.

Ohne Zusatz von Farb- und Aromastoffen und was es sonst noch alles so gibt.

Ich will kein Einheitsobst und Einheitsgemüse, wovon es überall nur eine einzige Sorte zu kaufen gibt, weil das genau die ist, die am längsten im Regal hält und die tagelangen Transporte am besten übersteht.

Ich habe mal ganz bewußt drei gekaufte Tomaten in meiner Küche liegen gelassen – bei warmer Temperatur im Sommer.
Es dauerte 24 Tage, bis sie langsam mal begannen, etwas schrumpelig zu werden, und ich weiß ja nicht mal, wie alt sie schon waren, als ich sie gekauft habe.
Es hat sich auch keine einzige Fruchtfliege blicken lassen; bei meinen eigenen Tomaten sind sie spätestens nach 3 Tagen da, ebenso bei gekauften Bio-Tomaten.

Daß meine Hunde konventionelle Möhren von Bioware unterscheiden können, hab ich schon geschrieben, aber auch Feldmäuse können das sehr gut.
Durch meine Wohnsitution muß ich jedes Jahr ab Oktober in meiner Küche Mausefallen aufstellen, wenn die Feldmäuse ein warmes Winterquartier suchen.
Letztes Jahr habe ich die Fallen verschieden beködert: normales 405-Weißmehl, Supermarkt-Vollkornmehl, konventionelle Weizenkörner, Bio-Dinkel, Nutella, und nachgebautes Bio-Nutella – die Wahl war sehr eindeutig.
Das Bio-Nutella entpuppte sich als absoluter Favorit, Nr.2 war entgegen meiner Annahme der BioDinkel, und erst dann kam das Original-Nutella – die anderen drei Köder wurden gar nicht beachtet.

Also kann man davon ausgehen, daß die Tiere einen Sinn besitzen, der ihnen instinktiv sagt, was gut für sie ist, was hochwertige Nahrung von schlechter unterscheidet.

Mein BioBauer hat gelacht, als ich ihm das erzählte, und gemeint, das wüßte er schon seit 30 Jahren, seit der Umstellung auf Bio hätten sie mehr Katzen gebraucht. 😉

Wenn man weiß, daß wie viele Sorten es weltweit von jeder einzelnen Nutzpflanze (und auch Tieren) gibt, fragt man sich doch wirklich, warum wir mit den Einheitssorten abgespeist werden, und von der Industrie wegen Lagerung und Transport geradezu vorgeschrieben bekommen, was wir kaufen dürfen.

Es wird immer gern auf die EU-Vorschriften geschimpft, aber wer macht die denn?
Nicht wirklich die Politiker in Brüssel, sondern die Lobbyisten.

Und die Lobbyisten vertreten ausschließlich wirtschaftliche Interessen ihrer Arbeitgeber.
Deren erklärtes Ziel ist es, möglichst hohe Gewinne zu machen, und das bei möglichst geringen Kosten.
Das ist ja an sich das Prinzip jedes Unternehmers, aber andererseits sollte dabei auch eine gewisse Ethik die unternehmerischen Entscheidungen beeinflussen, und das ist weltweit in der Nahrungsmittelindustrie nicht der Fall.

Bis zur industriellen Revolution gab es fast nur Subsistenzwirtschaft, ein Bauernhof ernährte seine Bewohner und produzierte mit Glück noch Überschüsse für den Verkauf.

Bauernfamilien lebten in dem Bewußtsein, daß ihr Land auch den kommenden Generationen den Lebensunterhalt sichern würde müssen, und pflegten es entsprechend – sie verstanden sich als Teil einer Kette über lange Zeit.

Da pflanzte jeder Bauer für jeden geschlagenen Baum im Wald neue für die Kinder und Enkel – er wußte, daß er selbst von der Arbeit der Vorfahren profitierte, und tat sein Teil für die Nachfahren.

Ebenso versuchte man den Boden fruchtbarer zu vererben, als man ihn vorgefunden hatte – langfristiges Denken und Handeln war selbstverständlich, nicht kurzfriste Ertragsmaximierung um den Preis des Ruins in der Folge.

Und selbst heutzutage werden weltweit mehr als 60% aller Lebensmittel in kleinbäuerischen Strukturen auf traditionelle Art angebaut, da gibt es keine Monokulturen, sondern Vielfalt und Fruchtwechsel.

Gerade die Vielfalt sichert das Überleben.
Wenn eine Frucht ausfällt, aus welchen Gründen auch immer, gibt es noch andere, mit denen man überleben kann.
Und durch diese Vielfalt gibt es auch keinen massenhaften Schädlingsbefall, weil von jeder Frucht einfach nicht genug da ist, um einen Massenbefall entstehen lassen zu können.

Bei industriellen Monokulturen sieht das völlig anders aus.
Wenn dann noch wie beim Mais für die Biogasanlagen jedes und jedes Jahr auf der gleichen Fläche Mais angebaut wird, ist es kein Wunder, daß die Schädlinge sich im Paradies fühlen.

Und Gift ist keine Lösung, weil von jeder Population ein paar Individuen lange genug überleben, um sich fortzupflanzen und diese Resistenz an ihre Nachkommen zu vererben.
Nach spätestens 3 Jahren ist der Befall genauso hoch wie vorher und das aktuelle Mittel wirkungslos bei diesem Schädling.

Wie viele andere, empfindlichere Arten damit gleich mitgeschädigt werden, interessiert den Maisbauern nicht, und auch den Verkäufer dieser Mittel nicht. Schließlich ist es ja offiziell zugelassen (meist aufgrund Studien der HERSTELLER!).

Fakt ist, die Lebensmittelgesetze der EU dienen nicht dem Verbraucherschutz, sondern der Monopolisierung der Lebensmittelindustrie.

Und leider machen sich noch zuwenig Menschen Gedanken um diese Themen, speziell um die Verflechtung der Agrar- und Chemiekonzerne mit der Lebensmittelindustrie.

Wer sich die Mühe macht, mal etwas zu suchen, findet http://www.foodprocessing.com/Media/MediaManager/top100_company_chart.pdf
und kann dann ziemlich leicht die Einzelfirmen und Marken der Töchter finden.

Und DAS meine ich damit: wem geben wir unser Geld?

Wer verdient an unseren täglichen Kaufentscheidungen?

Welchen Gegenwert bekommen wir für unser Geld?

Was sind die tatsächlichen Kosten für dieses Produkt?

Schon seit geraumer Zeit geht der Trend eindeutig dahin, daß der Verbraucher nur noch das angeboten bekommt, was mit den geringsten Kosten bei maximalem Gewinn für den Hersteller verbunden ist, oder noch besser, wenn ein Bedarf geweckt werden kann durch massive Werbung, der eigentlich gar nicht vorhanden ist.

Das beste Beispiel in den letzten Jahren sind diese Zuckerbomben in Einzelfläschchen, genannt „Probiotische Joghurtdrinks“, zu einem wahnsinnigen Preis.

Diese Dinger braucht kein Mensch, aber von April 04 bis März 05 wurden allein mit Yakult 1,8 Milliarden € Umsatz gemacht, die anderen Marken liegen etwas niedriger.

Über die ebenfalls Milliarden kleiner Plastikflaschen und ihre Auswirkungen möchte ich hier lieber nicht nachdenken….

Ich weigere mich jedenfalls, von Werbung und Konzernen vorgeschrieben zu bekommen, was ich zu essen habe oder überhaupt erst kaufen kann.
.
Ich will Vielfalt, in jeder Beziehung, und ich will Nachhaltigkeit, und ich will Ethik.

Und genau ab da wird es den meisten Leuten zu unbequem.
Die logische Konsequenz daraus ist nämlich die Aufgabe der Trägheit und selbst aktiv werden.

Es IST unbequem, aber sehr befriedigend, mit dem Nebeneffekt von mehr Gesundheit und Wohlbefinden.

Ja, es IST bisweilen lästig, noch abends schnell Getreide zu mahlen, um einen Hefeteig für die Brötchen oder das Brot des nächsten Morgens anzusetzen.

Ja, es IST zu Anfang sehr mühsam, einen Gemüsegarten in Gang zu bringen, und sich überhaupt erst einmal das Grundwissen anzueignen.

Ja, es IST zu Beginn schwierig, sich seine lokalen Bio-Bauern zusammenzusuchen, oder einen Gemüse-Abo-Lieferanten zu finden.

Ja, es scheint schwierig zu sein, überhaupt noch richtig zu kochen statt ein Fertiggericht in Mikrowelle zu schieben.

ABER ES LOHNT SICH.

Der Duft und Geschmack von selbstgebackenem Brot, die erstaunliche Süße sonnenwarmer Stachelbeeren direkt vom Strauch, das fantastische Aroma einer vollreifen Tomate, der Geschmack unbehandelter Milch – das ist für mich ein Stück Lebensqualität, was mir enorm wichtig ist.

Ich bin jetzt seit fast zwei Jahren zucker- und weißmehlfrei, und ich vermisse ehrlich nichts.
Im Gegenteil habe ich essentechnisch nur gewonnen, was Frische, Geschmack, Aroma und Vielfalt angeht.

Kein gekaufter Salat kann jemals so frisch sein wie der aus meinem Garten, und es sind nur 10m bis zu meiner Küche – keine 1500km aus Spanien.

Und ich bin nicht beschränkt auf Standardsorten, es gibt viel mehr eßbares Grünzeug, als man denkt.
Beim Obst dasselbe – ich brauche keine weitgereisten 125g Himbeeren für 1,49€ – ich hab kiloweise Besseres im Garten für viel weniger Geld.

Ich baue nur das an, was ich wirklich gern esse, und nicht das, „was man halt so macht“.
Kartoffeln, Grobgemüse und Getreide lohnen sich nicht wirklich vom Aufwand her, die kaufe ich in Bio-Qualität zu.

Es hat auch keinen Sinn, für mich als Einzelperson ganze Sätze von Kohl oder Blumenkohl oder Zucchini zu säen, soviel kann ich gar nicht essen, bevor es verdirbt.

Aber Salat aller Arten, Radieschen, und ungewöhnliche Dinge wie eben 10 verschiedene Tomatensorten, bunter Mangold, das Obst, alte Gemüsesorten, etc. machen richtig Spaß.

Ich trage mein Geld also lieber zum BioBauern und BioSaatguthändler, als industrielles Zeug zu kaufen.

In Verbindung mit der Vollwerternährung befreit mich das vom Druck, das kaufen zu müssen, was im Supermarkt überhaupt angeboten wird – es gibt also Alternativen.

Und es ist wirklich eine Befreiung, durch diese langen Regalgassen zu wandern und bei 98% der Produkte zu denken: „brauch ich nicht“.
Das einzige, was ich dort noch kaufe, sind Meersalz ohne Zusatzstoffe und Hefe, und einige non-food-Produkte.

Und ich gestehe, daß es mich freut, daß mein Geld direkt beim Produzenten landet statt als Dividende bei den Aktionären der Konzerne, die unstreitig keineswegs nachhaltig und ethisch handeln.

Beim BioBauern kenne ich die Hühner, die meine Eier legen, und das Schwein, was in ein paar Monaten auf meinem Teller landet – und ich kann sehen, daß es ihnen gut geht.

Auch das ist ein Teil Lebensqualität – das Schwein hat ein nettes Schweineleben mit Wiese, Wald und Suhle gehabt, und ich habe kein schlechtes Gewissen beim Essen.
Das ist ganz was anderes als ein abgepacktes Schnitzel, und den Unterschied schmeckt man auch deutlich.

Damit sind wir beim Kochen. Wobei ich unter „kochen“ auch die Zubereitung kalter Speisen verstehe. 😉
Wer es nicht kann, kaufe sich das DrOetker Schulkochbuch oder Das Blaue Kochbuch, beides sind gut erklärende Grundlagenbücher.
Wenn die Grundbegriffe sitzen, kann ich fast alle Kochbücher von Gräfe & Unzer empfehlen, die Rezepte schmecken fast alle sehr gut.
Rohkostspezialisten sind Ilse Gutjahr und Helma Danner, und auch die Bücher von Barbara Rütting bieten leckere Dinge.
Das sollte aber niemanden abhalten, selbst kreativ zu werden – ich hätte vorher nie geglaubt, daß ein Paprika-Bananen-Salat schmeckt, aber er tut es, und wie… 😉

Und es gibt nicht viele Dinge, die wirklich schwierig sind, das meiste sind nur Abwandlungen der Grundgerichte.
Beim Backen ist es ebenso, Hefe- und Sauerteig brauchen nur etwas Geduld beim Gehenlassen, bei Rührteig kann man schon gar nichts falsch machen, wenn man sich ans Rezept hält, und sogar selbstgemachter Blätterteig ist nur eine langwierige, aber keine schwierige Sache.

Kochen und backen zu lernen lohnt sich in jedem Fall, man wird unabhängig Imbißbuden und Fastfoodketten und hat die volle Kontrolle über das, was man in sein Essen tut.

Chicken Nuggets enthalten übrigens 37 deklarationspflichtige Inhaltsstoffe, deren Deklaration McD elegant umgeht, indem die möglichen Allergene einzeln gelistet werden. In deren Nährwertangaben steht nichts von Verdickungsmitteln oder Geschmacksverstärkern oder Säureregulatoren.

Die Currysoße enthält in ihrer Lesart  0g Eiweiß, 0g Fett, 1g Salz und 35g Zucker per 100g – mehr steht da nicht.
Muß auch nicht, weil eine Volldeklaration NUR bei verpackten Lebensmitteln erforderlich ist, und McD ist ein Restaurant. 😎

Damit ist eine Firma wie Frosta, die keine Zusatzstoffe benutzt, und sogar Gerichte in Bio-Qualität anbietet, ein sehr einsamer Stern am Himmel der Industrie. Vollwertig sind davon leider aber kaum welche.
Also wieder ein Argument für selbst kochen.

Und sogar Convenience-Salate aus der Kühltheke der Gemüseabteilung sollte der interessierte Esser eher links liegen lassen – das Alter der Zutaten ist nicht abschätzbar, und das Mindesthaltbarkeitsdatum ist von daher auch uninteressant, siehe die Tomatengeschichte oben.

Man ist in jedem Fall besser bedient, direkt beim Erzeuger zu kaufen, weil frischer als im Supermarkt ist es allemal.
Beispiel: Salat, montags auf dem Acker geerntet, geht dienstags raus ins Zentrallager der Kette, trifft mit Glück dort Mittwoch ein (wenn’s aus Spanien kommt, frühestens donnerstags), wird umverteilt und geht donnerstags oder freitags in den jeweiligen Supermarkt.
Das Gemüse am Montagmorgen in der Auslage ist also schon mindestens eine Woche alt….dank der Segnungen der Kühltechnik.

Bei meinem BioBauern weiß ich, daß alles, was ab morgens 10 Uhr bei ihm liegt an frischen Sachen, vor 4 Stunden noch auf dem Acker stand – es wird NICHT auf Vorrat geerntet; ist etwas ausgegangen, muß man leider am nächsten Tag wiederkommen oder seine Sachen vorher bestellen.
Und da kann man dann auch die Blätter der Radieschen hemmungslos mit in den Salat schnipseln, die sind dann noch knackfrisch. 😉

Und ich hab es schon mal geschrieben, Vollwertkost in bio macht schneller und ganz anders satt, so merkwürdig sich das anhört.
Ich kann mir das nur so erklären, daß unser Körper sehr wohl wahrnimmt, was wir da essen, und uns deutlich mitteilt, wann es reicht.
Da kann es noch so lecker gewesen sein, ich höre auf, wenn ich satt bin.

In früheren Zeiten habe ich gern um des Geschmacks willen noch nachgestopft, das hat sich völlig gelegt.
Ich habe es auch noch nie geschafft, mehr als zwei Scheiben meiner selbstgebackenen Brot auf einmal zu essen, früher bei Toastbrot konnten das gern auch vier werden oder mehr.

Was mir auch fast keiner glaubt: ich habe zwischen den Mahlzeiten, die gewöhnlich 4 und mehr Stunden auseinanderliegen, keinen Appetit.
Ich komme nicht mal in Versuchung, irgendwas zu naschen, deswegen sehen meine Tagesberichte essensmäßig so frugal aus – sind sie aber nicht.

Leider gibt es noch keine Möglichkeit, Geschmack über das Internet zu transportieren, sonst könnte ich spielend jeden von der Vollwertküche überzeugen 😉

Wenn ich dann in irgendwelchen Abnehm-Threads lese „ich will kämpfen“, kann ich nur den Kopf schütteln.
Essen ist kein Kampf, kein sich-kasteien, verzichten, sondern Lebenslust, Genuß, Freude an den schönen Zutaten und am Ergebnis meines Tuns.

Diäten sind ein absoluter Irrweg, weil die Betroffenen nur darauf warten, wieder „normal“ essen zu können – wie sollen sie da je zu einem stabilen Ergebnis gelangen?

Bei Vollwerternährung ist es einfach, sein Gewicht zu regulieren: einfach mehr Rohkost essen und weniger gekochtes.
Dann pendelt sich das im Lauf der Zeit wieder ein.

Und klar kann man auch mit Vollwerternährung dick werden, aber dann muß man schon sehr verlernt haben, das Gefühl von „wohligem Sattsein ohne sich überfressen zu haben“ zu erkennen.

Und um etwas klarzustellen: ich schreibe zwar „Vollwertkost nach Bruker“, aber das liegt daran, daß mit dem Namen fast jeder was anfangen kann.

Meine ernährungstechnischen Wurzeln gehen viel weiter zurück, das sind Pottenger (der mit den berühmten Katzenversuchen), Price, Heard, Lee, Howard.
Sie und auch Bircher-Benner, Kollath, Bruker, und Schnitzer, ebenso wie die neumodernen Ernährungsexperten wie Pollan, Wolfe, Fallon, sagen alle das Gleiche:

Nahrung sollte so unbearbeitet wie nur möglich gegessen werden, nicht zuviel davon, und hauptsächlich Pflanzen.

Die Konsequenz daraus ist die höchst umweltfreundliche Vollwertkost in Bio-Qualität, egal, nach wem man das benennt.

Lokal bio ab Erzeuger zu kaufen, hält das Geld in der Region, in der es erwirtschaftet wird; es fließt nicht in die Taschen von anonymen Aktionären internationaler Konzerne.

Das stärkt wiederum die BioErzeuger, und dürfte langfristig auch zu mehr Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft führen.

Selbsterzeugung ist natürlich noch kostengünstiger bei vielen Dingen – „Food – not lawns“.

Es werden enorme Kosten an Transport und Kühllagern gespart, wenn Essen in der Region erzeugt wird.

Deutlich weniger Fleisch zu essen, aber dafür qualitativ hochwertigeres, spart langfristig an Haushaltsgeld und Arztkosten.

Ebenso würde ein Rückgang des Verzehrs an Milchprodukten das Überangebot verringern, für Milch und Fleisch sollten so langfristig wieder auskömmliche Preise für die Erzeuger herauskommen.

Bevor jetzt wieder jemand quiekt: Deutschland hat die niedrigsten Lebensmittelpreise europaweit, weil sich die Handelskonzerne gegenseitig unterbieten, um ihre Marktanteile zu sichern, und die Erzeuger damit unter Selbstkosten drücken – siehe aktuelle Milchsituation.
Auch da findet eine Monopolisierung statt, die langfristig NICHT zum Vorteil der Verbraucher ist, sondern wie immer nur für die Kassen der Konzerne.

Deutsche geben im Schnitt nur 13,7% ihres Einkommens für Lebensmittel aus, um 1960 waren es noch fast 38,5%.
Wir sind schlicht verwöhnt, was die Preise angeht, und wissen unser Essen nicht mehr wirklich zu schätzen, weil es ja so billig ist.

Ich kenne niemanden außer meinen Vollwert-Kumpels, der mit Essen so behutsam und sparsam umgeht.
Da wird auch noch die Karkasse des Brathuhns ausgekocht zu Brühe, Gemüseabfälle und rohe Reste zu Gemüsebrühen verarbeitet, und was wirklich ungenießbar ist, wandert in den Kompost und kommt ein Jahr später als Gemüse wieder zurück, sozusagen.
Da wird nichts weggeworfen, sondern mit Plan und nach Saison eingekauft.
Und auch Sonderangebote werden nicht bloß gekauft, weil sie grad preiswerter sind – was nützt das, wenn man grad keine Verwendung dafür hat? Irgendwann ist jede Gefriertruhe mal voll.

Erstaunlicherweise kommen die meisten Vollwertler auch sehr schnell auf lokales Essen, ohne Importe.
Schnittlauch aus Indien und Äpfel aus Argentinien finden die meisten völlig überflüssig, egal ob bio oder nicht, sie finden es wie ich ökologischen Wahnsinn.

Und es macht mehr Spaß, an einem Acker oder einer Wiese vorbeizufahren, und zu wissen, da wächst das Getreide, was die nächsten 11 Monate mein Brot wird, oder dort stehen die Kühe, von denen meine Rohmilch kommt.

Man bekommt wieder eine echte Beziehung zu seinem Essen, am stärksten eigentlich noch mit eigenem Garten.
Aus einem Samenkorn nach ein paar Wochen ein Radieschen zu ernten, hat schon was. 😉

Was die Ethik angeht: schon lange reicht die erzeugte Nahrungsmenge weltweit für ALLE.
Ich empfehle dringend den Film: „We feed the world“, danach weiß man, warum es eben nicht für alle reicht – ich schreibe dazu hier nichts weiter – bitte guckt selbst und bildet euch selbst euer Urteil.

Ein Film auf rein amerikanische Verhältnisse bezogen ist „Food, Inc.“ von besagtem Michael Pollan, ich warte noch auf die DVD, aber ich weiß jetzt schon, daß er einen tieferen Einblick bietet, als ich je haben wollte.
Es hilft aber nichts zu sagen „ich will das aber gar nicht sehen“ – das ist die echte Realität da draußen.
Die appetitlich anzuschauende Hühnerbrust in ihrer netten Verpackung war ein Teil eines Huhns, dem es nicht grad gut erging – ich weiß, warum ich nur mir persönlich bekannte Hähnchen kaufe.
Mastrinder in 10.000er feedlots, kniehoch in ihren Fäkalien stehend, ohne Bewegungsraum, und krank von reiner Körnermaisfütterung – und so weiter.

Ich möchte zu solchen Praktiken nichts mehr beitragen, aber auch gar nichts.
Ich bin kein Vegetarier, aber solches Fleisch/Milch kann doch kein Mensch essen, der weiß, wie es produziert wird.

Von daher: natürliche Nahrung, lokal, bio, nachhaltig, umweltfreundlich, kostensparend. Für alle.

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3 Antworten so far »

  1. 1

    Monara said,

    Lys, du sprichst mir ganz tief aus der Seele – ich kann nichts hinzufügen, nur absolute Zustimmung nicken.
    Danke!

  2. 2

    Biggi said,

    Ich nicke gleich mit. Toller Text.
    Hoffentlich denkt der eine oder andere mal darüber nach.

  3. 3

    phpweb.glwdm.com

    Plädoyer für eine andere Weltsicht | Vollwert-Tigerin's Blog


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