Lösungen für Leute mit wenig Geld & wenig Zeit?

Aus dem gestrigen Artikel kamen Fragen auf, ob a) die ganze Selbermacherei nicht furchtbar zeitaufwendig sei, b) alles in bio nicht viel zu teuer sei, und c) wie Leute mit wenig Geld und wenig Zeit ihre Ernährung umstellen könnnten.

a): nein, es ist teilweise sogar schneller als „normales“ Kochen.
Ein Brotbackautomat und eine Getreidemühle sind allerdings unabdingbar ;-), da führt eigentlich kein Weg dran vorbei.
(und der Automat muß nicht zwangsläufig in der Küche stehen, meiner steht eigentlich immer im Bad (kein Klo dort!), ich hab in der Winz-Küche nicht nur zuwenig Platz, sondern auch zuwenig Steckdosen)

Ein Brot dauert ziemlich genau 8 min: 5 fürs Mahlen von 500g Getreide, 1 um die anderen Zutaten zuzugeben, und 2 am Schluß, um das Brot zu entnehmen und schnell die Form zu spülen. Dazu der eingebaute Timer und morgens zum Frühstück ist das Brot frisch und warm fertig.

Brötchen-, Nudel- und sonstige feste Teige lasse ich im Schnellprogramm machen, da knetet die Maschine 22min am Stück, das könnte ich mit der Hand nie.

Gerade Nudelteig wird erstklassig auf diese Weise, den muß ich dann nur noch ausrollen, schneiden, und kochen oder trocknen.
Reale Arbeitszeit vielleicht 5-8min, das geht recht fix.

Rohkost schnippeln ist auch nicht wirklich Arbeit, ich gehe samstags einkaufen für die ganze Woche, wasche & putze alles grob vor und lagere es in unökologischen Plastikdosen im Kühli. Zum Kochen dann die Dosen auf den Tisch, hier was abraspeln, da was abschneiden, bis ich meine, daß es reicht, Dosen wieder zu, und zurück in den Kühli – keine 5min.
Bei Familienportionen vielleicht 10min.

Bei reinen Sprossensalaten geht es noch schneller: Glas auf, Handvoll raus, Glas zu, das nächste, etc.
Was bei meinen Sprossen an Menge für wieviel oder wie lange reicht, hab ich noch nie nachgehalten.
Ich esse Alfalfa-Sprossen praktisch mit allem und jedem, auch auf Butterbrot; Senf, Radieschen, Linsen (Rettich und Bockshornklee, wo es paßt) in jedem Salat, Erbsen und Kichererbsen und Mung angebraten oder irgendwo mitgedämpft.

Wer Rohkost wirklich nicht gesundheitlich verträgt, sollte sie sich vor dem Dressing kurz andünsten oder dämpfen, das dauert auch nur ein paar Minuten und ist schnell genug wieder kalt, um es als Salat zu essen und nicht als Gemüsebeilage.

Dressings: ich mache jedes WE 0,2l Vinaigrette und 0,2l Joghurtgrundsauce, das reicht mir für die ganze Woche.
Also da auch nur Kühli auf, Glas schütteln, Menge entnehmen, Kühli zu.
Bei einer Familie würde ich Literportionen machen, und jeweils mit evt. Zwiebeln und Kräutern/Nüssen verfeinern.

Warmes Essen: bei wenig Zeit würde ich gnadenlos die berühmten Sättigungsbeilagen vorkochen, und nur noch über Wasserdampf aufwärmen; Reis/Nudeln/Kartoffeln/Klöße halten sich im Kühli problemlos 3 Tage, ebenfalls roher Nudelteig oder Hefeteige.
Geschnittenes Gemüse bißfest garen, Sauce dazu machen, fertig – dauert keine 15min., max. 20, wenn man es weicher will.;-)
Oder auf einen Crockpot ausweichen, zerkochen tut da nichts, und man befüllt ihn am Morgen oder Vorabend, und das Essen ist fertig, wenn man nach Hause kommt. Naturgemäß ist das alles aber sehr eintopfartig, und wenn man die Beilagen extra frisch kochen muß, hat man nicht wirklich was gewonnen. Ich hab meinen schon lange wieder verkauft. 😉
Bei hungrigen Kindern würde ich die Rohkost morgens vorbereiten und abends nur schnell mit Dressing anrichten, als Vorspeise.
Dann ist der ärgste Hunger vorbei.

Frühstücksvarianten siehe den Artikel unter Rezepte. Vieles kann man gut im voraus machen.

Lunch/Schulpaket/Pausenessen: da kommt morgen ein extra Artikel

b) nein, alles in bio ist nicht viel teurer. Die Zauberwörter heißt Maß halten, kochen ohne Reste, Essenspläne, sehr wenig Fleisch, nichts zwischendurch essen, Milchprodukte selber machen, keine Softdrinks, keine Fertigprodukte, keine convenience-Produkte und jahreszeitlich kochen. Und auch beim Erzeuger nach 2. Wahl fragen – an der Qualität und dem Geschmack ändert es nichts, wenn der Blumenkohl eine Delle hat oder die Gurken krumm sind, aber am Preis.
Viele verkaufen sowas nur auf Nachfrage, weil die Kundschaft mit dem dicken Portemonnaie eben nur optisch perfektes will.
Ich habe so am Samstagmittag auf dem Markt abgestaubt: 1 Blumenkohl mit Delle -1€, 3 Kohlrabi mit Riß – 50ct, ca 1kg etwas schlapper Mangold 1€, 1kg sehr reife Tomaten 1€, 3 krumme Gurken 50ct = 4€ für mein Gemüse in bio der ganzen Woche.
Das bedeutet, daß ich jeweils 2x Mangold, Kohlrabi und Blumenkohl esse, aber das werden 6 völlig verschiedene Gerichte, dafür kann ich schließlich kochen. 😉

(Und ja, ich weiß, daß diese Möglichkeit nicht jeder hat – aber soll ich es verschweigen? Konvi Blumenkohl kostete 1,59€, der bio regulär 1,99€, da freu ich mich doch, wenn ich ihn, auch mit Delle, sogar billiger als den konvi bekomme. Und ich hab gelernt, zu handeln, manchen Verkäufern macht das Spaß )

Wer einen Garten hat, aber der Saisonfrüchte nicht Herr wird, hat mindestens 2 Möglichkeiten: sich vor der Aussaat mit Nachbarn, Freunden und Kollegen absprechen, wer was anbaut – es ist Quatsch, wenn z.B. jede Familie Zucchini anbaut, und dann nicht mehr weiß, wohin damit.
Es ist viel schlauer, sich das alles zu teilen und bedeutet auch weniger Arbeit für den einzelnen.
Dazu kann man gestaffelt säen, alle zwei Wochen einen Satz von einem Gemüse, so daß nicht alles gleichzeig reif wird.
Auf diese Art kann man schon mit 5 Leuten und je 2 Gemüsen eine nette Auswahl über den ganzen Sommer zusammenkriegen, und braucht außer „seinem“ Spezialgemüse sich nur noch um Salate und Kräuter zu kümmern. Bei Obst kann man auch tauschen – ich hab hier Nashi und jede Menge schwarzer Johannisbeeren und Mirabellen und Brombeeren, mag aber lieber rote Johannisbeeren und bestimmte Apfelsorten – also wird mit SchwieMu und einigen Bekannten getauscht. Da macht das sogar Spaß.

Die zweite Möglichkeit ist, rechtzeitig eine Kleinanzeige aufzugeben, und so ein paar interessierte Selbstpflücker kennenzulernen, die entweder per Kilo zahlen oder in Gartenarbeit. Ich kenne mehrere städtische werdende Selbstversorger, die sich auf so ein Arrangement mit garantiert ungespritztem Obst/Gemüse gern einlassen würden, weil sie keinen eigenen Garten haben.

Die dritte Möglichkeit ist den Erntesegen zu trocknen – das ist zwar konservierend, aber besser als alles vergammeln zu lassen. Beerenobst läßt sich zu Fruchtleder verarbeiten, getrocknete Gemüse lassen sich wunderbar in Suppen und Eintöpfen im Winter verarbeiten, Äpfel als hauchdünne knusprige Scheibchen sind ein toller Chipsersatz und auch Kirschen, Erdbeeren, Pflaumen, Aprikosen, etc lassen sich eigentlich alle gut trocknen.
Bauanleitungen für Solartrockner gibt es zuhauf im Netz, und sie sind wirklich nicht schwierig zu bauen.

Außerdem gibt es viele arbeitssparende und platzsparende Methoden zu gärtnern, von dick Mulch über Squarefoot gardening zu vertical gardening; am besten funktioniert bei mir wilde Mischkultur, die keinen Zentimeter Boden unbedeckt läßt, und auch einiges an Wildkräutern beinhaltet. Je vielfältiger, desto gesünder.
Dazu noch Vogel- und Insektenschutz, und man hat seine Schädlingsbekämpfer direkt zur Hand – schon mal einen Zaunkönig gesehen, der im Schwirrflug Blattläuse von einer Distel absammelt? Ich schon. 😉

Und an schlechtem Boden kann man was tun – Kompost hilft immer. 😉

Es ist immer faszinierend, daß viele Leute mit Garten stöhnen, wieviel Arbeit das ist (ernten & verarbeiten), während andere, die nichts sehnsüchtiger als einen Garten haben möchten, dann auch noch nach Jahren des Besitzes eines solchen anfangen zu strahlen, welche Schätze er ihnen bietet, und sich tierisch darüber freuen.

Ich glaube, wir sind teilweise verdammt verwöhnt – es ist seit 64 Jahren Frieden, und von uns hat niemand mit Gewehr nachts im Garten liegen müssen, um die reifen Kartoffeln und Kaninchen vor Dieben zu schützen – meine Omma damals schon, ohne ihren Kleingarten hätte sie nicht überlebt, sagte sie immer.
Und es gab ganze Winter nichts anderes als Steckrüben, weil nichts anderes da war – und heutzutage weigern sich die Kinder, zwei Tage hintereinander das gleiche Essen zu essen, weil das so langweilig ist?

Ich glaube, uns fehlt da ein wenig Demut, Dankbarkeit, und Bescheidenheit, und eine andere Haltung für weniger und wesentlich bewußteren Konsum.

Punkt c) hat sich damit schon fast erledigt, denke ich – langsam umstellen (siehe „Erste Schritte für Anfänger“) ist das wichtigste. Gerade mit Familie sollte man sich in die Vollwerternährung „einschleichen“ und nicht von jetzt auf gleich gekochte Körner servieren – das geht totsicher in die Hose.
Der einfachste Weg dürfte darin bestehen, selbst Brot zu backen, mit langsam steigendem Vollkornanteil, und mehr Salate (Rohkost) und Obst anzubieten zu den Mahlzeiten, und gleichzeitig den Zuckerverbrauch herunterzufahren.
Es gibt eine Menge vollwertiger Schnuckeleien, kein Kind wird unglücklich sein.
Der nächste Schritt wäre dann, den Fleischkonsum zu drosseln und unauffällig auf einen hohen Anteil vegetarischer Gerichte umzuschwenken.
Vollwertige Pizza  oder Nudelauflauf und  selbstgemachtes  Schoki-Eis schmecken eigentlich jedem.

Ich habe letzte Woche Samstag einen Teil eines  Büffets geliefert, der von vorn bis hinten vollwertig war.
Solange die Leute das nicht wußten, haben sie begeistert zugeschlagen.
3 Damen, die Rezepte haben wollten, knallte jeweils der Unterkiefer auf die Füße, als das Wort „vollwertig“ fiel und das Interesse erlosch schlagartig.
Dröger Körnerfraß.*ggg*
Nichts könnte falscher sein.
Und vor allem, wenn es ihnen doch vorher so gut schmeckte, daß sie am Rezept interessiert waren, was hat sich daran geändert? 😎

.Danke für’s Lesen! Fragen, Kommentare und Tomatenwürfe jederzeit willkommen! 😉

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3 Antworten so far »

  1. 1

    Sina said,

    Liebe Vollwerttigerin, ich freue mich sehr über diese Seite und werde immer mal vorbeischauen. Vielen Dank. Absolut faszinierend das Thema.

    Ich schmökere gerade und habe schon mein altes Sprossenkeimgerät und die Sprossensamentütchen rausgeholt. Wird nachher angesetzt. Kann man eigentlich auch die einfachen gelben Senfkörner kaufen und diese keimen lassen?

    Herzliche Grüße
    Sina

  2. 2

    Barbara said,

    Ich muss mir an dieser Stelle mal meinen Frust von der Seele schreiben. Ich lebe in Mexico und habe mittlerweile 2 kleine Kinder, 2 und 1/2 Jahre. Bei ihnen fängt das Ganze schon an. Manchmal muss ich mir so was von an den Kopf langen, was hier gegessen wird, und vor allem, was den Kindern gegeben wird. Man könnte meinen, ausser Weissmehl und Zucker gäbe es auf der Welt nichts. Ich bin zwar sehr froh, in die Familie meines Mannes eingebunden zu sein, kann dafür aber häufig nicht verhindern, dass sie meinen Kindern diesen „Müll“ zum essen geben. Ich sage dann schon, dass ich das nicht unbedingt will, möchte aber auch nicht bei jeder Gelegenheit etwas dazu sagen.

    Fleisch: Weil das einst als Luxus galt, isst man es jetzt, wo man es sich leisten kann, so oft wie möglich. Ein Essen ohne Fleisch ist kein Essen. Das heisst, 7x die Woche, ZUM FRÜHSTÜCK, MITTAGESSEN UND ABENDESSEN!!!

    Getränke: Ohne Cola ist ein Essen kein Essen. Wenn es mal nicht Cola ist, weicht man auf die „gesündere“ Variante aus, Sprite, Orangina, Erdbeer (schön knallrot, wie die richtigen Erdbeeren…) Ungesüsst geht gar nichts. Wasser ist etwas für Arme. Ja, ich musste mir auch schon anhören, als ich zu einem Essen Wasser trank „Hast du denn kein Geld für eine Cola?“

    Brot: Der schlabbrige weiche Schwamm soll also Brot sein. Naja, sie haben noch nie richtiges Brot gesehen oder gegessen. Als Sandwich, gut gemeint, mit Mayonnaise bestrichen, mit Analog-Käse (es gibt KEINEN ANDEREN!!) und Gel-Schinken (ES GIBT AUCH HIER KEINEN ANDEREN!!) belegt, ein tolles Abendbrot für die Kinder… Sorry, ich kann mir den Sarkasmus nicht verkneifen…

    Kinder-Ernährung: Es fängt an mit Pulver-Milch statt Stillen. Mir wurde einmal gesagt: Weisst du, diese Milchpulver, das ist genau auf die Bedürfnisse des Babys ausgerichtet, und es hat soooooo viele Vitamine und Mineralstoffe drin (man zeigte mir die Liste auf der Verpackung). Zu blöd, dass auf meiner Brust keine Liste der Vitamine steht…

    Dann geht es weiter mit Gläschen-Nahrung. Der Kinderarzt riet mir in vollem Ernst, ausschliesslich diese Gläschen-Nahrung zu verwenden. Da sei ja auch frisches Gemüse drin. Selber zubereiten sei hygienisch bedenklich, und sowieso, ich erspare mir dadurch eine Menge Zeit…

    Dann die Danonino-Quärkchen… UNENTBEHRLICH für das Wohl des Kindes. In der Werbung dazu sieht man, wie sich die Knochen richtig strecken, und stark und kräftig werden. Wer will denn seinem Kind dies vorenthalten???

    So könnte ich noch viele Beispiege geben. Bio kennt man hier gar nicht. Grenzwerte von Schadstoffen in Nahrungsmitteln?? Noch nie gehört, wirklich nicht, sowas ist hier fremd. Der „Grosse Nachbar“ im Norden, die USA, schickt gnädigerweise immer wieder „Hilfe“. Was wir an Gen-Nahrungsmitteln essen, weiss hier wahrscheinlich niemand.

    Liebe Grüsse, Barbara

  3. 3

    Karina said,

    Hi, ich habe mich so langsam durchgearbeitet und bin super-motiviert. Brotbackautomat, Getreidemühle, Sprossen-Auswahl und große Körnertüten stehen bereit. Der Anfang ist gemacht. Die ersten Körner gemahlen. Vielen Dank für die vielen Anregungen. Und für die Einkaufstipps, denn ich hätte ja nicht mal gewusst wo ich das alles in größeren Portionen herkriege.
    Wann gehts denn hier weiter? Freu mich schon.
    LG Karina


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